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Chronik Teil 1 - 1850 bis 1950

Seit sich der Mensch das Feuer nutzbar machte, war er auch vor die Aufgabe gestellt, den Flammen durch geeignete Löschmethoden Einhalt zu gebieten. Noch bis ins 19. Jahrhundert bestand die effektivste Methode des Löschens aus einer Kette von Menschen, die mit Wasser gefüllte Gefäße weiterreichten und dem Feuer so zu Leibe rückten. Dies verlangte jedoch, dass ein Jeder Bürger ob Klein, ob Groß, mithalf. Aus diesen Notgemeinschaften heraus, gab es immer mehr engagierte Bürger, die sich zum Wohle ihrer Nächsten aktiv mit der Brandbekämpfung beschäftigten. Hierzu ist folgende Begebenheit aus dem Jahre 1842 überliefert: Die aus Künzelsau nach Niederstetten gekommene Gerberfamilie Glock, befasste sich sehr intensiv mit dem Löschgedanken und stiftete der Löschgemeinschaft Niederstetten im Jahr 1842 einen Ledereimer, den sogenannten „Glock-Eimer“, um die Brandbekämpfungsmaßnahmen zu verbessern. Der Eimer ist übrigens noch heute im Besitz der Freiwilligen Feuerwehr. Nach dem Brand des Karlsruher Hoftheaters am 28. Februar 1847 und dem erfolgreichen Einsatz des ersten Pompiers-Corps Durlach, kam es überall zur Errichtung solcher Feuerlöschcorps nach Durlacher Vorbild. Auch im Hohenloher Land begann man die ersten Feuerlöschcorps zu gründen und aufzubauen. So wurde im Jahr 1850 die erste „Hilfsgemeinschaft zur freiwilligen Brandbekämpfung“ in Niederstetten ins Leben gerufen. Im Jahr 1852 gründete man dann, nach zweijähriger Aufbauzeit, die „Freiwillige Feuerwehr Niederstetten“.

Im Jahr 1876 wurde die Freiwillige Feuerwehr Niederstetten in eine Pflichtfeuerwehr umgewandelt. Es wurde eine Lokalfeuerlöschordnung gebildet, sowie eine Bezirksfeuerlöschordnung für das ganze Oberamt, welche durch Regierungsbeschluss  vom 27. September 1876 genehmigt wurde.  Für die Kosten der Anschaffung und Unterhaltung der betreffenden Requisiten für ihre Feuerwehr hatte ab diesem Zeitpunkt jede Gemeinde selbst einzustehen. Doch gab die Amtskörperschaft Geldbeiträge für Gerätschaften, Aufstellung und Einübung.  Der erste Kommandant der Pflichtfeuerwehr Niederstetten war Werkmeister Carl Baumann, der die Feuerwehr von 1876 bis 1896 leitete (Foto). Zu seinem Führungsstab gehörten im Jahr 1895: Adjutant Melber zum Anker; Hauptmann Heinrich Burkhardt; Hauptmann Friedrich Meider; Hauptmann Julius Abendschein. Die Feuerwehr in Niederstetten verfügte, gemessen an den technischen Möglichkeiten um die Jahrhundertwende, schon 1895 über eine gute Ausrüstung von insgesamt sechs Handdruckspritzen, einer Leiter auf Fahrgestell, einem Handwagen zum Transport weiterer Leitern, einem Mannschafts-wagen, einen Rettungsschlauch zum Retten von Personen aus großen Höhen, sowie über insgesamt 220m Schlauchmaterial.

 

Im Jahr 1896 übernahm der damalige Hauptmann Heinrich Burkhardt als Kommandant die Wehr. Der Kommandant trug in dieser Zeit einen Messing-Helm mit weißem Roßhaarbusch, während die Hauptleute (vergleichbar mit den heutigen Gruppenführern) Messing- Helme mit rotem Roßhaarbusch und die Feuerwehrmänner schwarze Lederhelme trugen. Die Feuerwehr Niederstetten war Unterteilt in den Stab, eine Kompanie Retter, eine Kompanie Steiger (Leitermannschaft), eine Spritzen-Mannschaft, eine Hydranten-Mannschaft und eine Kompanie Wachmannschft und Hornisten. Insgesamt versahen 198 Bürger Dienst in der Feuerwehr. Im April 1901 wurde eine mechanische, fahrbare Leiter von Magirus Ulm/Donau mit einer Steighöhe von 16 Metern angeschafft. Sie war der ganze Stolz der Wehrleute in dieser Zeit. Heinrich Burkhardt führte die Feuerwehr Niederstetten bis ins Jahr 1904. Im Protokollbuch steht am 5. Juni 1904 vermerkt, dass Julius Abendschein die Requisiten des seitherigen Kommandanten Heinrich Burkhardt (Helm mit Busch, Gurt und Hupe) als sein Nachfolger im Amt erhielt.

 

Kommandant Julius Abendschein duldete keinerlei Unpünktlichkeit, denn in seinem Rapportbuch findet sich im Jahr 1908 folgender Auszug aus der Verfügung des Ministeriums des Innern, betreffend die Vollziehung der Landesfeuerlöschordnung vom 24. November 1885: „Der Kommandant, die Hauptleute und die Zugführer haben Rapportbücher zu führen, in welchen die abgehaltenen Einzel- und Gesamtübungen, sowie die Versäumnisse bei Übungen und Brandfällen und die vorgebrachten Entschuldigungsgründe einzutragen sind. Die Entschuldigungsgründe sind spätestens am dritten Tage nach dem Ausbleiben schriftlich vorzubringen. Die unentschuldigt oder ohne genügende Entschuldigung Ausgebliebenen sind dem Ortsvorsteher betreffs Abrügung der Verfehlung von dem Kommandanten unter Vorlegung des Rapportbuches anzuzeigen!“

Daran anschließend stand in seinem Rapportbuch unter dem 15.August 1908: „Die angezeigten Feuerwehrleute wurden auf das Rathaus geladen und über ihr ausbleiben bei den Übungen befragt. Dieselben wurden, soweit die Entschuldigungsgründe nicht stichhaltig waren, unter Strafandrohung ermahnt, künftig bei den Übungen pünktlich zu erscheinen!“

Über Mangel an Arbeit hatten sich die Kameraden im Raum Niederstetten damals nicht zu beklagen. Es ist aktenkundig, dass im Laufe der Jahre 1908 bis 1918 einige Großbrände zu bewältigen waren, bei denen man auch teilweise der Hilfe der Kameraden aus Schrozberg bedurfte. Die Personalstärke der Pflichtfeuerwehr Niederstetten betrug in den Jahren 1906 bis 1924 zwischen 163 und 196 Mann. Nur in den Jahren 1915 und 1916 war die Wehr, bedingt durch den ersten Weltkrieg, nur 90 beziehungsweise 83 Mann stark.

Im Jahr 1923 gab es wieder einen Kommandantenwechsel. Nachdem 25 Jahre lang Julius Abendschein Kommandant der Pflichtfeuerwehr Niederstetten war, leitete nun der Gerber und Sägewerksbesitzer Karl Streitberger die Feuerwehr Niederstetten. In seine Amtszeit fiel auch die erneute Umwandlung der Pflichtfeuerwehr in eine Freiwillige Feuerwehr im Jahre 1925. Kommandant Karl Streitberger leitete die Feuerwehr Niederstetten 15 Jahre lang und gab 1938 sein Amt ab. Leider sind viele Aufzeichnungen, auch die des Kommandanten Streitberger, beim Brand des Rathauses nach der Bombardierung durch die allierten Streitkräfte im Jahre 1945 verlorengegangen. Lediglich das Rapportbuch, sowie ein Bild der Löschgruppe von 1928 sind erhalten geblieben. Auch konnte der "Glock-Eimer" die Kriegswirren überstehen, da er bei einer Privatfamilie in Niederstetten aufbewahrt wurde.

Es ist jedoch aktenkundig, dass Richard Knenlein 1938 die Feuerwehr übernahm, welche er über die Kriegsjahre des zweiten Weltkrieges bis 1945 leitete. In dieser Zeit unterstand die Feuerwehr der Polizei und hatte auch polizeiliche Aufgaben zu erfüllen. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges reduzierte sich die Mitgliederzahl erheblich. In der Zeit von Januar 1944 bis Oktober 1945 wurde die Feuerwehr durch Frauen, ältere Mitbürger und Kinder verstärkt, die bei Löscharbeiten halfen. Im April 1945 mussten die noch verbliebenen Feuerwehrangehörigen fast täglich, und oft unter Einsatz ihres Lebens, ausrücken. Niederstetten stand im April 1945 unter schwerem Beschuss der alliierten Streitkräfte. Hier einige Auszüge aus den Einsatzberichten dieser Tage:

9. April 1945:

„Schwerster Tag für Niederstetten. Dauernder Beschuss schon seit 6 Uhr früh. Verschiedene Angriffe mit Bombengeschwader, so dass die Feuerwehr nicht wirksam tätig sein konnte. Erst nachmittags konnte die Tätigkeit von einer Gruppe wieder aufgenommen werden. Die Arbeit wurde in den folgenden Tagen, trotz Beschuss, fortgesetzt, doch konnte nicht verhindert werden, dass auch das Gasthaus zur Post noch ein Opfer der Flammen wurde.“

12.April 1945:

„Einige Tage wurde im Lagerhaus die brennende Frucht abgelöscht. In der Nacht wurde die Motorspritze mit drei Saugschläuchen und einem B-Druckschlauch samt Strahlrohr von amerikanischen Truppen mitgenommen, so das der Bestand an Geräten, besonders an Schläuchen, sehr gering wurde.“

27.April 1945:

„Die Feuerwehr wurde gerufen, weil sich in der Weingärtnergenossenschaft eine Explosion beim Umladen von Panzerfäusten ereignete. Dabei fanden die Bürger Gottlob Schmidt, Eugen Müller, Herrmann Müller und ein amerikanischer Soldat den Tod. Des Weiteren gab es viele Verwundete. Die Feuerwehr löschte mit einer Hydrantengruppe das amerikanische Lastauto ab, bevor größerer Schaden entstand.

Nach dem Krieg musste die Feuerwehr neu gebildet werden. Dies war die Aufgabe des neuen Kommandanten, Sattlermeister Albert Kleinhanß, der als altgedienter Feuerwehrmann schon im Jahre 1935 das Feuerwehrabzeichen des Landes Baden-Württemberg erhalten hatte. Laut Anordnung des Kreisführers stellte er die Wehr am 11.Oktober 1945 neu zusammen und entließ die älteren und weiblichen Hilfskräfte. Die neuen Feuerwehrmänner wurden, soweit dies möglich war, eingekleidet. Die Einsätze in den Jahren nach 1945 waren oftmals schwierig zu bewältigen, da das benötigte Gerät zur Brandbekämpfung fehlte, doch versuchte man dies durch starken persönlichen Einsatz wieder wettzumachen. Auch während der Amtszeit von Albert Kleinhanß wurde Niederstetten von einigen Großbränden heimgesucht; so brannte beispielsweise das Stallgebäude und die Scheune der Witwe Herz in der Langen Gasse im Jahr 1946. Das Bild zeigt die Mannschaft nach der Neugruppierung im Jahr 1947 auf dem Markplatz in Niederstetten im Hintergrund stehen nur noch die Grundmauern des heutigen Hotel-Gasthof "Krone. Auch hat nur ein Teil der Mannschaft Unifomen, die meisten tragen ihre Alltags oder Arbeitskleidung. Von den allierten Besatzungsmächten erhielt die Feuerwehr anfangs keine Unterstützung, man musste sich mit Gerätschaften selbst behelfen.

 

 

Dienstag, 12. Dezember 2017

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